
10. Dezember 2025
Kleine Menschen, große Gefühle – Emotionsregulation in der Grundschule
Gefühle können überwältigend sein
Große Gefühle gehören zum Grundschulalltag einfach dazu: Lernfrust, Streit mit anderen Kindern oder das verlorene Brennballspiel in der Sportstunde – Wut, Ängste, Scham, aber natürlich auch Freude oder Albernheit sind bei Grundschulkindern allgegenwärtig. Und das ist auch genau richtig so!
Anstrengend kann es aber werden, wenn die Kinder ihre Emotionen noch nicht angemessen regulieren können und sich in ihnen verlieren. Wenn auf einmal Gegenstände durch die Luft fliegen, Beleidigungen herumschwirren oder der Lachanfall gar nicht mehr aufhören will.
Wir möchten dir zeigen, warum Emotionsregulation nicht nur für den Grundschulalltag so wichtig ist und welche verschiedenen Strategien zum Regulieren von Emotionen es gibt – damit die großen Gefühle nicht mehr so überwältigend sind.
Was ist Emotionsregulation?
Ganz allgemein gehört die Fähigkeit, eigene Emotionen zu regulieren, zu den zentralen sozial-emotionalen Kompetenzen von uns Menschen.
Emotionsregulation bedeutet, eigene Emotionen:
- wahrzunehmen und zu identifizieren (was genau fühle ich gerade?)
- zu verstehen (warum fühle ich das?)
- zu steuern (wie kann ich mich beruhigen?)
- produktiv zu kommunizieren (wie kann ich sagen, was ich fühle und brauche?)
Ziel der Emotionsregulation ist es, wieder in eine produktive Selbstwirksamkeit zu kommen. Denn starke, unregulierte Emotionen verselbstständigen sich schnell und wir verlieren die Kontrolle über unser Verhalten.
Und das ist nicht nur in dem Moment wichtig, in dem die starken Emotionen auftreten, sondern auch – und vor allem – darüber hinaus:
Wer seine Emotionen eigenständig regulieren kann, senkt nachweislich das Risiko für die Entstehung von psychischen Krankheiten wie
- Angst- und Essstörungen,
- Suchtkrankheiten oder
- Depressionen.
Gleichzeitig trägt eine gute Emotionsregulation zum psychischen Wohlbefinden bei.
Warum Emotionen regulieren für Grundschulkinder so wichtig ist
Es gibt viele gute Gründe, warum Kinder in der Grundschule ihre Fähigkeit zur Emotionsregulation stärken sollten. So sind Grundschulkinder, die ihre Emotionen selbstständig regulieren können, in der Lage:
- Konflikte ruhiger zu lösen,
- sich besser in die Klassengemeinschaft zu integrieren,
- besser zuzuhören und aufmerksam zu sein,
- sich selbst besser zu organisieren,
- produktiver auf eigene Ziele hinzuarbeiten.
Insgesamt werden dadurch das Klassenklima und die Atmosphäre positiv beeinflusst.
Gut zu wissen: Viele Kinder sind in den ersten Jahren ihrer Grundschulzeit noch auf die Co-Regulation von anderen Kindern oder Erwachsenen angewiesen, weil sie noch nicht ganz eigenverantwortlich ihre starken Gefühle beruhigen können.
Es lohnt sich aber in jedem Fall, schon von Anfang an mit den Kindern Strategien zur Emotionsregulation einzuüben und sie dabei je nach Entwicklungsstand individuell zu unterstützen.
Strategien zur Emotionsregulation – körperlich und mental
Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Wege, Emotionen zu regulieren: Über körperliche Prozesse und über mentale bzw. kognitive Prozesse.
Zu den körperlichen Regulationsstrategien gehören alle Methoden, die den Körper miteinbeziehen, z. B.:
- Tanzen,
- Ausschütteln,
- Dehnen,
- Auspowern (Sprints, Burpees, Liegestütz).
Zu den mentalen bzw. kognitiven Regulationsstrategien gehören alle Methoden, die das Denken oder Vorstellen miteinbeziehen, z. B.:
- Um- oder Neubewerten der emotionalen Situation,
- Umlenken der Aufmerksamkeit z. B. auf den Atem oder einen gemütlichen inneren Rückzugsort,
- unterstützende Glaubenssätze.
Es ist für die Kinder sehr hilfreich, verschiedene Regulationsstrategien kennenzulernen. Denn einerseits ist es ganz individuell, welche Strategien ein Kind für sich nützlich findet und welche nicht. Und andererseits sind bestimmte Strategien in einigen Situationen besser geeignet als andere. Hier Freiraum zum Ausprobieren zu schaffen, kann für die Kinder eine große Hilfe sein.
Mit Regulationsstrategien zu mehr Ruhe und Selbstwirksamkeit
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